Von Sabine de Günther und Till Meyer
Am 28. November 2025 fand der erste Ideathon des SeDOA Innovation Lab (SIL) statt– ein Community-Format, welches sich an das Format eines Hackathons anlehnt und bestehenden Herausforderungen in Diamond-Open-Access-Publikationsprozessen mit innovativen Lösungsansätzen begegnet.
Ausgerichtet von der Medizinischen Bibliothek der Charité – Universitätsmedizin Berlin mit den SIL-Partnerinstitutionen, der Fachhochschule Potsdam (FHP) – Fachbereich Informationswissenschaften, dem FIZ Karlsruhe – Leibniz Institute for Information Infrastructure und der Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel (HAB) wurden von den 22 Teilnehmer*innen aus der Open-Access-Community einen ganzen Tag lang Impulse aus unterschiedlichen Perspektiven und Erfahrungen eingebracht.

Ideencluster
In der ersten Phase des Ideathons wurden zahlreiche Ideen für die Weiterentwicklung von Diamond Open Access gesammelt und strukturiert. Daraus konnten sieben zentrale Handlungsfelder identifiziert werden, in denen die Teilnehmenden Innovationspotenziale für Diamond Open Access sahen:
Publikationsformate: Enhanced Publishing, dynamische Formate, Granularität
Die wissenschaftlichen Publikationsformate selbst standen auf dem Prüfstand. Vorgeschlagen wurden neue, kleinteilige Publikationstypen wie Nanopuplikationen, Daten-Reviews, Reproduzierbarkeitsstudien und Software-Publikationen. Multimediale Anreicherungen, 3D-Publikationen und dynamische Formate (z. B. Data Cycle, Knowledge Stack) sollen die Nachvollziehbarkeit und Nachnutzung von Forschungsergebnissen verbessern.
Medienneutrales und barrierefreies Publizieren
Ein besonderer Fokus lag auf interoperablen, barrierefreien Veröffentlichungsprozessen. Dazu zählen Plugins für Open Monograph Press, Standardisierung technischer Austauschformate, einfache Single-Source-Publishing-Workflows und konsequente Barrierefreiheitsprüfungen. Ein XML-Workflow und interoperable Managementsysteme sollen den Zugang für alle Nutzergruppen gewährleisten.
Gemeinschaftlich genutzte Infrastruktur und One-Repository-Host für Repositorien
Der Bedarf an skalierbaren, gemeinsam genutzten Infrastrukturen wurde deutlich. Diskutiert wurden ein One-Repository-Host für Redaktionen mit begrenzten Ressourcen, zentrale Hosting-Instanzen für Diamond-Open-Access-Prozesse (z. B. OS-APS, Janeway, OJS) und Ende-zu-Ende-Plattformen für durchgängige Workflows vom Schreibprozess bis zur Publikation.
Künstliche Intelligenz (KI)
KI wurde sowohl als Chance als auch als Herausforderung gesehen. Anwendungsbereiche umfassen semantische Indexierung, XML-Prozesse, Redaktionssysteme mit KI-Integration und Vorlagenerstellung. Gleichzeitig wurde eine datenschutzgerechte Plattform zur Identifizierung von KI-generierten Texten und Fake Publications vorgeschlagen, um die Qualitätssicherung zu stärken.
Aufbau einer Community und Kommunikation
Die Stärkung von Austausch und Vernetzung stand im Zentrum. Vorgeschlagen wurden Trainings für Herausgebende, Kooperationsangebote zwischen Universitäten und HAWs, verständliche Kommunikation ohne Insider-Jargon und ein Info-Paket „Diamond Open Access“ mit Vorlagen für Mailing, Blogposts und Social Media.
Qualität und Reputationsökonomie
Neue Ansätze zur Qualitätssicherung und Reputation wurden diskutiert: Quality vs. Quantity Control, Obergrenzen für Publikations-Outputs, Badges zur Kennzeichnung von Vertrauenswürdigkeit und Konzepte, die manipulationssicheres Publizieren (fraud-proof publishing) fördern. Auch die Aufwertung von Tätigkeiten bei Diamond Journals wurde angeregt.
Finanzen
Nachhaltige und transparente Finanzierungsmodelle sind essenziell. Genannt wurden transparente Finanzierung durch Fachgesellschaften, Umverteilung von Erwerbs- und Lizenz-Budgets (z. B. DEAL-Mittel in offene Infrastrukturen), Spendenbuttons für Diamond OA-Publikationen und ein Rettungsfonds für kurzfristige Engpässe.
Vier konkrete Lösungsansätze
Aus den Ideensammlungen wurden vier Themenbereiche weiter ausgearbeitet:
- Dynamische Publikationsformate mit Open-Source-Infrastruktur und nachhaltigem Betriebsmodell
- Transparente Qualitätssicherung (Open Review) durch konsequent offene Begutachtungsprozesse
- Community-Plattform zur systematischen Vernetzung von Redaktionen, Technik und Infrastruktur
- Institutionelle Hebel zur Reform der Reputationsökonomie durch Anpassung von Förderkriterien und Berufungsverfahren
Ausblick
Die Sammlung aller im Workshop entstandenen Ideen und die als issues ausformulierten Ansätze stehen transparent zur weiteren Kommentierung und Ergänzung in einem offenen Codeberg-Repositorium zur Verfügung.
Dem ganztägigen Ideathon in Präsenz folgte ein weiterer Ideathon in einem einstündigen Online-Format. Diese digitalen Treffen sollen als Fortsetzungs-Formate die Möglichkeit bieten, sich in regelmäßigen Abständen mit einem klar umrissenen Teilaspekt eines identifizierten Problems auseinanderzusetzen.
Der erste Ideathon markierte den Auftakt zu einer kontinuierlichen Weiterentwicklung von Diamond Open Access – mit der Community, für die Community. Über den SeDOA-Mastodon-Account, die SeDOA-Veranstaltungen oder unseren Newsletter informieren wir Sie über Folgeveranstaltungen.
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