Wie offen ist offen? Diamond Open Access im Spannungsverhältnis zu KI

Von Bente Steinecke

Am 06. Oktober ging Fabian Rack im Workshop „Diamond Open Access im Spannungsverhältnis zu KI – Wie schaffen wir ein faires Geben und Nehmen?“ genau dieser Frage nach und gab Einblicke in die aktuellen Entwicklungen rund um CC-Signals und Really Simple Licensing (RSL).

Zunächst lohnt es sich jedoch, einen Schritt zurückzugehen und einen Blick darauf zu werfen, warum wir überhaupt neue Instrumente brauchen. Als die CC-Lizenzen von Creative Commons entwickelt wurden, stellte sich die Frage nach einer Nutzung von Werken zum Training generativer KI schlicht noch nicht. Heute stellt sich dagegen zunehmend die Frage, wie damit umzugehen ist, dass KI-Anbieter auch Open-Access-Inhalte für das Training ihrer Modelle nutzen und bisher keine Gegenleistung dafür erbringen. Ist das noch von der Offenheit gedeckt oder müssen wir eine Grenze ziehen?

Will man das KI-Training mit den rechtlichen Instrumenten verhindern, die uns bereits zur Verfügung stehen, kommt man tatsächlich nicht sehr weit. Ein restriktiver Lizenzzusatz wie „NC“ kann das KI-Training nicht ohne Weiteres verhindern. Denn mit § 44b UrhG (Text-und-Data-Mining) gibt es eine gesetzliche Schranke, die nach der überwiegenden Auffassung auch Nutzungen für das Training von KI-Modellen erfassen kann. Soweit die Nutzung durch die gesetzliche Schranke erlaubt ist, kann sie grundsätzlich nicht durch eine CC-Lizenz untersagt werden.

Auch ein Nutzungsvorbehalt nach § 44b Abs. 3 UrhG, der sogenannte Opt-Out, bietet keinen umfassenden Lösungsansatz. Zum einen stellt sich die praktische Frage, inwieweit technische Systeme einen solchen Nutzungsvorbehalt tatsächlich zuverlässig erkennen und beachten. Zum anderen ist fraglich, wie weit der Schutz in der Praxis reicht, wenn das Training von KI-Modellen häufig außerhalb Deutschlands stattfindet und damit unterschiedliche Rechtsordnungen und Jurisdiktionen betroffen sind. In Verbindung mit den CC-Lizenzen ist der Opt-Out zudem, wenn überhaupt nur mit dem Zusatz „NC“ kombinierbar, allerdings widerspricht das dem grundsätzlich freien und offenen Gedanken der CC-Lizenzen.

Neue Instrumente für neue Herausforderungen

Im Ergebnis braucht es daher weitere Instrumente und genau hier setzte der Vortrag von Fabian Rack an. Bei der Vorstellung der CC-Signals und der RSL wurde deutlich, dass beide Ansätze noch in der Entwicklung sind und ihre praktische Umsetzung vor verschiedenen Herausforderungen steht.

Die CC-Signals in ihrer ersten Ausgestaltung sind beispielsweise nicht rechtsverbindlich und haben sich bislang als nur begrenzt durchsetzungsfähig erwiesen. Creative Commons möchte deshalb einen neuen Ansatz verfolgen und arbeitet an einer zweiten Version der CC-Signals.

Really Simple Licensing verbindet technische und vertragliche Ansätze. Die Idee ist ein zweistufiges Modell: In einem ersten Schritt soll erkannt werden, dass es sich um einen KI-Crawler handelt, und der Zugriff entsprechend gestoppt werden. In einem zweiten Schritt wird dem Crawler ein Vertragsangebot unterbreitet, sodass der Zugang im Ergebnis erst gewährt wird, wenn eine bestimmte Bedingung, beispielsweise die Zahlung einer Vergütung, erfüllt ist. Eine zentrale Herausforderung besteht dabei allerdings darin, die „richtigen“ Crawler zuverlässig zu erkennen und von anderen Zugriffen zu unterscheiden. Hier kann man sich durchaus die Frage stellen, ob das noch Open Access ist. Darüber hinaus stellte eine Teilnehmerin die spannende Frage, ob diese Lösung nachhaltig sei oder ob nicht die KI-Anbieter auch diese Mechanismen umgehen könnten, also quasi ein Wettlauf gegen die Zeit.

Wie geht es weiter?

Bisher konnte sich noch kein Instrument durchsetzen, das einen umfassenden Ausgleich zwischen den Interessen an möglichst offenen wissenschaftlichen Inhalten und den Interessen der KI-Anbieter schafft. Die Entwicklungen rund um CC-Signals und RSL zeigen jedoch, dass an neuen Lösungen gearbeitet wird.

Für Diamond Open Access stellt sich damit weiterhin die grundlegende Frage: Wie offen soll offen sein?

Wir sind gespannt, welche Entwicklungen in diesem Bereich folgen werden.

Die Präsentationen finden Sie auf Zenodo: Diamond Open Access im Spannungsverhältnis zu KI – Wie schaffen wir ein faires Geben und Nehmen? | Zenodo


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