SeDOA Innovation-Bite: PRISM

Von Sabine de Günther

Das SeDOA Innovation Lab (SIL) stellt in unregelmäßigen Abständen Impulse vor, die das Publizieren von Artikeln und Monografien im Diamond-Open-Access-Verfahren mit punktuellen Eingriffen verbessern, sei es in Bezug auf Offenheit, Nachhaltigkeit oder, wie im Folgenden, ein Werkzeug zur Qualitätssicherung in Diamond OA-Büchern.

PRISM – nachvollziehbare Peer-Review-Verfahren

Um das Begutachtungsverfahren für Diamond-Open-Access-Monografien auch in den Metadaten maschinenlesbar und nachvollziehbar zu machen, führte das Directory of Open Access Books (DOAB) im November 2022 Peer Review Information Service for Monographs (PRISM)  ein.

DOAB und OPERAS

Entwickelt wurde der Service von DOAB, dem Directory of Open Access Books, fortgeführt wird er in dem Serviceportfolio von OPERAS (Open Scholarly Communication in the European Research Area for Social Sciences and Humanities). DOAB, hervorgegangen aus OAPEN (Open Access Publishing in European Networks), fungiert als Verzeichnis für peer-reviewte Open-Access-Monografien. Ergänzt wird dies durch Plattformlösungen wie OMP (Open Monograph Press)1. OPERAS und das OPERAS Innovation Lab stärken Open-Science-Strukturen in den Sozial- und Geisteswissenschaften, indem sie mit den genannten Plattformen zusammenarbeiten und communitygetriebene Lösungen entwickeln.

Peer-Review-Metadaten

PRISM-Metadaten zur Beschreibung des jeweiligen Peer-Review-Prozesses werden direkt von den teilnehmenden Verlagen unter Verwendung des Vokabulars von PRISM bereitgestellt. Dies setzt die Beantwortung der folgenden im DOAB Publisher’s Guide: Prepare for PRISM2 formulierten Fragen durch die Publikationsdienstleister voraus, bevor sie in DOAB hinterlegt werden können:

  1. Welche Bezeichnung soll für das Peer-Review-Verfahren verwendet werden?
  2. Gegenstand der Begutachtung: Was wird begutachtet?
    • Proposal
    • Volltext
    • Abschnitt
  3. Anonymität der Autor*innen und Gutachter*innen: Wie hoch ist der Grad der Anonymität?
    • Doppelt anonymisiert (sowohl Gutachter*in als auch Autor*in kennen die Identität der anderen Person nicht)
    • Einfach anonymisiert (Namen der Gutachter*innen bleiben vor den Autor*innen verborgen)
    • Alle Identitäten bekannt
  4. Typus des Begutachtenden: Wer führt die Begutachtung durch?
    • Interne*r Redakteur*in
    • Mitglied des Redaktionsbeirats
    • Externe*r Peer-Reviewer*in
    • Crowd- oder offene Begutachtung
  5. Begutachtungsphase: In welcher Phase findet die Begutachtung statt?
    • Vor der Veröffentlichung
    • Nach der Veröffentlichung
  6. Offene Begutachtung: Werden die Begutachtungskommentare veröffentlicht?
    • Ja
    • Nein
  7. Verantwortlichkeit: Wer trifft die Entscheidung über die Veröffentlichung?
    • Verlag
    • Buch- oder Reihenherausgeber*in
    • Wissenschaftlicher oder redaktioneller Beirat

Die Informationen zu den Begutachtungsprozessen können auf Verlagsebene oder auf Titelebene abgebildet werden. Forschende und Bibliotheken können die Daten abrufen und diese als zusätzliche Bewertung der Ressource heranziehen. Wenn einem begutachteten Titel ein solcher Datensatz angehängt ist, sind die PRISM-spezifischen Informationen über die PRISM-API abrufbar (Beispiel). Naturgemäß erfasst die API nur diejenigen begutachteten Titel, die mittels PRISM-Vokabular angereichert wurden.

Zusätzlich können Publikationsdienstleister ein PRISM-Widget auf der eigenen Katalogseite einsetzen, um PRISM-Einträge besser auffindbar zu machen.

Prism Logo (Quelle)

Einstiegsinformtionen zur Nutzung von PRISM: https://www.doabooks.org/en/publishers/prism

Alle peer-reviewten-Titel in DOAB: https://directory.doabooks.org/discover?query=peerreview.id:*

PRISM im Einsatz

Die AG Universitätsverlage formuliert in ihren Qualitätsstandards für Open-Access-Bücher unter § 3 Transparenz und Nachvollziehbarkeit der Qualitätssicherung3 als einen grundlegenden Beitrag zu Open Science. Neben den notwendigen Maßnahmen zur Qualitätssicherung werden folgende Empfehlungen ausgesprochen: 

“Die Kriterien und Prozesse, mit denen Publikationen ausgewählt und begutachtet werden, sind beschrieben und öffentlich zugänglich. Nehmen Gremien diese Auswahl und Begutachtungen vor, sind die Gremienmitglieder benannt. Neue, innovative Formen der Qualitätssicherung, die sich an den Anforderungen der Wissenschaft orientieren, werden unterstützt.”4

Als Gründungsmitglied der AG Universitätsverlage und Diamond-Open-Access-Verlag (seit 2025) publiziert der 1998 gegründete Universitätsverlag Potsdam Zeitschriften, Schriftenreihen und Monografien von Forschenden der Universität Potsdam auf dem Publikationsserver publish.UP. Die inhaltliche Qualitätssicherung wird von den wissenschaftlichen Autor*innen und Herausgeber*innen geleistet, der Verlag sichert die technische und formale Qualität über umfassende Metadaten und barrierefreie PDFs. Die PRISM-Fragen bildeten die Grundlage für die Entwicklung eines Dokumentationsmechanismus.5 Die Autor*innen der Beiträge werden gebeten, für ihre Publikation einen Review-Dokumentationsbogen6 auszufüllen. Dieser enthält neben den PRISM-Fragen weitere Angaben zu durchgeführten Qualitätssicherungsmaßnahmen. Seit dem Jahr 2025 ist diese Maßnahmen-Dokumentation verpflichtend, wenn Publizierende eine Diamond-Open-Access-Publikationsförderung in Anspruch nehmen wollen. Als nächste Schritte plant der Universitätsverlag Potsdam die Veröffentlichung der Dokumentation sowie die Anmeldung bei DOAB und sukzessive die Installation des PRISM-Widgets.7

Fazit

Der PRISM-Standard adressiert eine Lücke: die Notwendigkeit, Peer-Review-Prozesse sichtbar und vergleichbar zu machen. Für die Diamond-Open-Access-Prinzipien (siehe SeDOA-Diamond-OA-Definition) hat PRISM das Potenzial, Qualitätssicherung transparenter zu machen. Vertrauensbildung ist für das Diamond-OA-Modell ein kritischer Faktor. Bibliotheken erhalten ein Werkzeug, um fundierte Entscheidungen über Titelaufnahmen zu treffen. Forschende erhalten eine bessere Orientierungshilfe bei der Literaturrecherche. PRISM ist dabei nicht als isolierte Lösung, sondern als ein Baustein einer Diamond-Open-Access-Infrastruktur zu lesen.


Dieser Beitrag ist lizenziert unter der Lizenz Creative Commons Namensnennung 4.0 International (CC BY 4.0).

  1. Open Monograph Press (OMP) ist eine All-in-One-Lösung für die Publikation von Monografien und gehört wie Open Journal System (OJS) und Open Preprint System (OPS) zu dem Software-Portfolio des Public Knowledge Project (PKP). S. https://pkp.sfu.ca. ↩︎
  2. DOAB Publisher’s Guide: Prepare for PRISM: https://doabooks.o172i.upcloudobjects.com/uploads/2025_08_DOAB_Publishers_Guide_compressed_5592626623.pdf, S. 11-12. ↩︎
  3. Arbeitsgemeinschaft der Universitätsverlage. (2022). Qualitätsstandards für Open-Access-Bücher (Version 2). Zenodo, https://doi.org/10.5281/zenodo.7075761. ↩︎
  4. Ebd., S. 2. ↩︎
  5. https://www.ub.uni-potsdam.de/de/publizieren/universitaetsverlag/ueber-den-universitaetsverlag/richtlinien. ↩︎
  6. https://www.ub.uni-potsdam.de/fileadmin/projects/ub/images/Fragebogen_Qualitätssicherung_v2.pdf. ↩︎
  7. Vgl. Wiese/Gerlach 2026, https://opus4.kobv.de/opus4-bib-info/frontdoor/index/index/docId/20175, Folie 25-27. ↩︎