Rückkauf der Titelrechte oder Neugründung: Wie Zeitschriften ihre Unabhängigkeit zurückgewinnen

Ein Rückblick auf die SeDOA-Veranstaltung „Vom Verlag zurück zur Community“ – mit spannenden Einblicken aus der Praxis des Diamond Open Access

Von Helene Strauß und Bente Steinecke

Am 24. Februar 2026 lud die Servicestelle für Diamond Open Access (SeDOA) zu der Online-Veranstaltung „Vom Verlag zurück zur Community: Rückkauf der Titelrechte oder Neugründung?“ ein. Ein Thema, das für wissenschaftliche Zeitschriften längst kein theoretischer Gedanke mehr ist.

Mit der klaren Mission, die Unabhängigkeit wissenschaftlicher Zeitschriften zu stärken, brachte die 90-minütige Veranstaltung Herausgeber*innenWissenschaftler*innen und Open-Access-Interessierte zusammen, um zu zeigen: Es geht auch anders. Weg vom kommerziellen Verlagsmodell, hin zu einer gemeinnützigen, Community-getragenen Publikationskultur im Sinne von Diamond Open Access.

Warum Titelrechte?

Die Veranstaltung startete mit einer Einführung durch Bente Steinecke (ZBW – Leibniz-Informationszentrum Wirtschaft), der Juristin im SeDOA-Projekt. Sie erklärte anschaulich, warum Titelrechte mehr sind als ein rechtlicher Formalismus. Sie sind das Fundament für editorische Freiheit, langfristige Planungssicherheit und die Kontrolle über die Zukunft einer Zeitschrift. Wer den Titel nicht hält, riskiert in Fragen von Zugang, Preisen, Lizenzmodellen und technischer Infrastruktur, abhängig von Verlagsentscheidungen zu sein.

Doch was tun, wenn die Rechte beim Verlag liegen? Die Veranstaltung zeigte zwei konkrete Wege auf und das mit echten Fallbeispielen aus der Praxis.

Fallbeispiel 1: Titelrechte zurückkaufen

Martin Matzner, Professor für Wirtschaftsinformatik (Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg), ist leitender Herausgeber des Journals of Service Management Research (SMR).  Er berichtete eindrücklich von dem Prozess des Rückkaufs der Titelrechte und zeigte, dass mit Planung, finanzieller Unterstützung, rechtlichem Know-how und klarem Ziel der Weg zurück zur Community möglich ist.

Fallbeispiel 2: Neugründung

Ein anderer Weg wurde von Benedikt Löwe, Professor für Mathematische Logik (Universität Hamburg) und Herausgeber der Zeitschrift für mathematische Logik und Grundlagen der Mathematik (ZML) vorgestellt. Die Neugründung einer Zeitschrift als Diamond-Open-Access-Zeitschrift. Nach Unstimmigkeiten mit dem bisherigen Verlag entschied sich das Herausgeberteam gemeinsam für einen sogenannten „Walkout“. Zwar waren sie nicht Inhaber der Titelrechte, doch konnten sie mit einem alten, damals vom Verlag verworfenen Titel den Neustart wagen. Mit einem starken Netzwerk und klarem Profil gelang der Aufbau einer neuen Diamond-Open-Access-Zeitschrift, die vollständig im Besitz der Wissenschaftscommunity bleibt. 

Zurück zur wissenschaftlichen Community – Vorwärts in die Zukunft

Die Veranstaltung war mehr als ein Informationsaustausch. Die Diskussion im Anschluss war lebhaft und es gab viele Fragen zur rechtlichen Praxis, zu Fördermöglichkeiten und zu den ersten Schritten. Deutlich wurde: Die Nachfrage nach Unabhängigkeit wächst. Zentraler Tenor der Veranstaltung lautete: Ob Rückkauf oder Neugründung – beides braucht Engagement, Kooperation und finanzielle Unterstützung. Der Weg zurück zur wissenschaftlichen Selbstbestimmung ist machbar und er beginnt mit dem Schritt sich die Frage zu stellen, wer eigentlich die Kontrolle über unsere Zeitschriften haben sollte.

SeDOA unterstützt bei der Umstellung zu Diamond Open Access und plant weitere Veranstaltungen, in denen Praxisbeispiele vorgestellt werden.

Die Folien der Präsentation sind auf Zenodo abrufbar: https://doi.org/10.5281/zenodo.18998306

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