Ein Netzwerk, viele Perspektiven – Ergebnisse aus dem OJS-Workshop 2026

von Kristin Ameis und Oliver Krüger

Der OJS-Workshop des OJS-Netzwerks der Servicestelle Diamond Open Access (SeDOA) fand am 17. und 18. September 2026 an der Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg statt. Zwei Tage lang bot der Workshop die Gelegenheit, alle Beteiligten der verschiedenen deutschsprachigen OJS-Communitys vor Ort zusammenzubringen und die Zusammenarbeit untereinander zu vertiefen.

Die vom Public Knowledge Project (PKP) entwickelte freie und Open-Source-Publikationssoftware Open Journal Systems bietet in Deutschland eine wichtige Grundlage für die Bereitstellung wissenschaftsgeleiteter Publikationsangebote. Die Arbeit mit OJS betrifft dabei weit mehr als das technische Hosting von Zeitschriften: Wissenschaftliche Redaktionen organisieren mit OJS Begutachtungs- und Veröffentlichungsprozesse, Entwickler:innen arbeiten an der Weiterentwicklung von OJS und Universitätsverlage sowie institutionelle Publikationsdienste (IPSPs) betreiben OJS und unterstützen Herausgebende sowie Redaktionen bei der Veröffentlichung ihrer Zeitschriften. Der OJS-Workshop setzte an dieser Schnittstelle an: Mit diesem Workshop wurden die unterschiedlichen Akteure der Community und ihre jeweiligen Erfahrungen zusammengebracht. Das Ziel war es, Bedarfe sichtbar zu machen, gemeinsame Fragestellungen zu bearbeiten und neue Impulse für die deutschsprachige OJS-Community zu setzen.

Abb. 1: OJS-Workshop 2026 an der Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg
(Quelle: Oliver Krüger)

Zum Thema OJS haben sich in den letzten Jahren vielfältige Netzwerke gebildet. Das OJS-Netzwerk bringt diese zusammen und unterstützt ihren Austausch. Daraus ergibt sich die Zusammenarbeit mit den bestehenden Communitys und der community-orientierte Ansatz des Netzwerks. Dieser wurde bereits zum virtuellen Auftakt des OJS-Netzwerks im April 2026 vorgestellt und beim jetzigen OJS-Workshop im September vor Ort mit Leben gefüllt. Die Communitys wurden in die Planung des Workshops miteinbezogen und vom OJS-Netzwerk als Ausrichter des Events für die Gestaltung einzelner Sessions angefragt. Dadurch wurde der Ansatz des OJS-Netzwerks, ein Netzwerk von der Community für die Community zu sein, umgesetzt.

Einblicke in einzelne Sessions des OJS-Workshops

Die 35 Teilnehmenden des OJS-Workshops kamen aus allen adressierten Communitys. In unterschiedlichen Sessions haben sich die Teilnehmenden mit diversen Herausforderungen in der Arbeit mit OJS auseinandergesetzt. Im Mittelpunkt standen die Zusammenarbeit und der Austausch, um die Weiterentwicklung von OJS und die damit verbundenen Services und Vernetzungstätigkeiten zukünftig stärker an den Bedarfen der Community auszurichten.

In einem Workshop zur Überarbeitung von OJS-de.net haben sich die Teilnehmenden mit dessen inhaltlicher Ausrichtung auseinandergesetzt. Dadurch soll OJS-de.net weiterhin die Rolle einer zentralen Wissensplattform der deutschsprachigen OJS-Community einnehmen. Zudem wurde aktiv am geplanten Relaunch der Website gearbeitet. Darüber hinaus konzentrierte sich die Session des Redaktionsnetzwerks OJSRed auf die redaktionelle Vernetzung rund um OJS. Es standen unter anderem Fragen im Mittelpunkt, wie Redaktionen besser miteinander in den Austausch treten können und wie bestehende Vernetzungsstrukturen weiterentwickelt werden können.

Weitere Sessions haben sich auf die inhaltliche Arbeit mit konkreten Themen fokussiert. So haben sich die Teilnehmenden innerhalb einer Session mit Diamond Open Access auseinandergesetzt und konkrete Möglichkeiten erörtert, wie Diamond Open Access nachhaltig und qualitätsgesichert mit OJS umgesetzt werden kann. Hierzu wurden Anforderungen an das Publizieren von Diamond-Open-Access-Zeitschriften mit den Teilnehmenden erarbeitet und diskutiert. Dass insbesondere dieses Thema noch weiterer Vertiefung und Auseinandersetzung in der Community bedarf, wurde durch offene Fragen und eine lebhafte Diskussion deutlich. Die Themengruppe OJS-Zeitschriften der AG Universitätsverlage setzte sich mit den unterschiedlichen Services auseinander, die von IPSPs und Universitätsverlagen im Rahmen ihres Hostings angeboten werden. Hierbei wurde darüber diskutiert, wie die Zeitschriften-Services von Universitätsverlagen und IPSPs im Spannungsfeld von Standardisierung, Ressourcenaufwand und individueller Betreuung eingeordnet werden können. Die Erfahrungen von bestehenden Universitätsverlagen und IPSPs haben gezeigt, dass strategische Überlegungen über das angestrebte Servicelevel bereits bei der Gründung neuer Dienste unerlässlich sind.

Im Workshop „OJS im Wandel: Entwicklungen und Bedarfe“ standen aktuelle und zukünftige Entwicklungen von OJS, insbesondere OJS 3.6 und die geplante Integration eines Editors, im Mittelpunkt. Gemeinsam tauschten sich die Teilnehmenden darüber aus, welche Funktionen sich in der täglichen Arbeit bewähren, wo Herausforderungen und unnötige Arbeitsaufwände bestehen und welche Verbesserungen sie sich wünschen. Insbesondere die zukünftige Integration eines Editors für das Erstellen von HTML- und PDF-Dateien wird die Community zukünftig beschäftigen. Zu diesem Thema wird es Austauschmöglichkeiten innerhalb der OJS-Community geben.

Participants share their experiences and needs regarding the use of OJS at the workshop “OJS in Transition: Developments and Needs”
Abb. 2: Teilnehmende berichten von ihren Erfahrungen und Bedarfen in der Nutzung mit OJS beim
Workshop „OJS im Wandel: Entwicklungen und Bedarfe“ (Quelle: Oliver Krüger)

Die einzelnen Workshops lieferten einerseits Impulse für die weitere Arbeit. Andererseits wurde die Zeit des persönlichen Austauschs intensiv genutzt, um an konkreten Themen und Fragestellungen zu arbeiten. Insbesondere der letzte Aspekt wurde von den Teilnehmenden positiv hervorgehoben. Der OJS-Workshop hat gezeigt, wie wichtig persönliche Treffen mit aktivem Austausch für die Community und deren Arbeit sind.

Die Weiterentwicklung des OJS-Netzwerks

Mit dem Anspruch, ein Netzwerk von der Community für die Community zu sein, wurde das OJS-Netzwerk gestartet und daraus entsprechende Angebote für die Community entwickelt. Das Zusammenkommen aller Teilnehmenden vor Ort bot einerseits die Möglichkeit, die bisherigen Aktivitäten des Netzwerks zu reflektieren und zu evaluieren. Andererseits wurde durch die Gestaltung einer eigenen Session des OJS-Netzwerks die Möglichkeit geschaffen, gemeinsam mit OJS-Akteur:innen und Communitys Bedarfe zu formulieren und Ideen für die zukünftige Arbeit des OJS-Netzwerks zu entwickeln.

Im Zuge dieser Session zum OJS-Netzwerk setzten sich die Workshop-Teilnehmenden mit vier verschiedenen inhaltlichen Arbeitsschwerpunkten auseinander: Austausch und Vernetzung, Themen und Inhalte, Formate und Angebote sowie Community und Mitgestaltung. Im Rahmen eines World Cafés wurden die vier Themen an Thementischen diskutiert und bearbeitet. Die ermittelten Bedarfe der Community waren vielfältig und reichen von einer besseren Vernetzung zwischen Reaktionen, technischen Dienstleister:innen und Entwickler:innen über eine zentrale Bündelung von Informationen und Best Practices bis hin zu gemeinsamen Lösungen für aktuelle Herausforderungen, wie etwa Künstliche Intelligenz in Publikationsprozessen, Weiterentwicklungen von OJS oder medienneutrale Produktionsworkflows. In Bezug auf mögliche Formate wurden unter anderem zeitlich begrenzte Treffen zu einem spezifischen Thema oder die Darstellung von Best-Practice-Beispielen, an denen sich die OJS-Community orientieren kann, als Vorschläge formuliert.

Insgesamt wurde deutlich, dass das OJS-Netzwerk vor allem als ein Ort der Bündelung von Informationen fungieren kann. Zugleich zeigte sich, dass klare Ziele, eine gute Dokumentation und die Verteilung der Aufgaben auf mehrere Schultern entscheidend sind, um das OJS-Netzwerk langfristig gemeinsam weiterzuentwickeln.

Ausblick

Die Ergebnisse des OJS-Workshops 2026 bilden einen wichtige Grundlage für die weitere Arbeit des OJS-Netzwerks. In den kommenden Monaten wird es vor allem darum gehen, vorhandenes Wissen aus den OJS-Communitys besser auffindbar zu machen, bestehende Vernetzungsangebote zugänglicher zu gestalten sowie die geäußerten Bedarfe aufzugreifen. Der Workshop hat gezeigt, dass hierfür ein kontinuierlicher Austausch wichtig ist, sowohl in regelmäßiger digitaler Form als auch in der persönlichen Begegnung. Das OJS-Netzwerk möchte diesen Austausch auch in Zukunft weiter fördern, indem Synergien zwischen den Communitys genutzt und Erfahrungen, Ideen und Ressourcen nachhaltig geteilt werden. Die Weiterentwicklung des OJS-Netzwerks bleibt daher eine gemeinsame Aufgabe, die von den verschiedenen Perspektiven, dem gemeinsamen Wissen und dem Engagement der gesamten deutschsprachigen OJS-Community getragen wird.

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Link zum OJS-Netzwerk: https://diamond-open-access.de/services/community-support/ojs-netzwerk/