Eine Definition und ihr Glossar: Erläuterungen zum Diamond-OA-Verständnis der Servicestelle

Von Marcel Wrzesinski

(OA-)Begrifflichkeiten als umkämpftes Terrain

Begrifflichkeiten im Themenfeld um Open Access und Open Science sind stets politisch, geht es doch hier um Zugangsschranken und Verteilungsgerechtigkeit. Wann sind wissenschaftliche Ergebnisse in Form wissenschaftlicher Publikationen wirklich frei zugänglich? Unter welchen Bedingungen ist die Nachnutzung fair? Wie wird der offene Zugang in Anerkennung globaler Ungleichheitsperspektiven gerecht finanziert? Auf diese Fragen versuchen wissenschaftsgeführte Diamond-Open-Access-Publikationsmodelle Antworten zu geben.

Entstehung und Funktion des Glossars

Um arbeitsfähig zu sein und den einzelnen Services von SeDOA eine klare Handlungsorientierung zu geben, hat das Konsortium am 01.10.2025 eine Minimaldefinition von Diamond Open Access für Bücher und Zeitschriften beschlossen. Diese spiegelt, der Name sagt es, den kleinsten gemeinsamen Nenner wider und ermöglicht es in ihrer pointierten Kürze, SeDOAs zentrales Objekt schnell zu erfassen.

Um zugleich der Komplexität aller Diskurse um Diamond-OA-Publizieren gerecht zu werden, wurde zugleich ein Glossar nötig, dass die voraussetzungsreichen Begrifflichkeiten der Minimaldefinition erörtert und semantisch präzisiert. Jene SeDOA-Arbeitsgruppe, die auch schon die Minimaldefinition entworfen und dem Konsortium vorgelegt hatte, fertigte auch die Entwurfsfassung des Glossar aus und präzisierte an allen notwendigen Stellen. In seiner Funktion möchte das Glossar damit die Minimaldefinition sowohl vertiefen, als auch für die Arbeit innerhalb und außerhalb des Projektes operationalisierbar machen. Das Glossar wurde am 25.06.2026 im Steering Committee einstimmig verabschiedet.

Erstellung des Glossars als diskursiver Prozess

In SeDOA haben sich 15 Einrichtungen aus der deutschen Bibliotheks- und Forschungslandschaft sowie die AG Universitätsverlage zusammengefunden. Dass in diesem bewusst diversen Konsortium Einigkeit über zentrale Begriffe zu Diamond OA herrscht, hat niemand ernsthaft erwartet.

Entsprechend war auch die Arbeit zunächst an der Definition, aber dann vor allem am erweiternden Glossar ein Aushandlungsprozess in mehreren Schleifen, wo im eigentlichen Sinne um Begriffe und ihre Bedeutung gerungen wurde. Innerhalb der Arbeitsgruppe im Kleinen und im Steering Committee von SeDOA im Großen bestand reger Austauschbedarf etwa zu der Frage, wie genau denn die Kostenfreiheit von Diamond-OA-Publikationen zu verstehen sei: Selbstredend und grundsätzlich ohne Kosten für Autor:innen, aber wie steht es um Mehrwertdienste? Sind einheitenbezogene Kostenmodelle ausgeschlossen, oder können etwa Institutionen entsprechend belastet werden? Im Ergebnis ermöglicht das Glossar kostenpflichtige Dienste, so lange sie optional bleiben und die Veröffentlichung nicht davon abhängt.

Intensiv diskutiert wurde weiterhin über das Verständnis und die Reichweite von OA-konformen Lizenzen: Sind dies lediglich Creative-Commons-Lizenztypen im Sinne der “Berliner Erklärung über offenen Zugang zu wissenschaftlichem Wissen”, also CC BY und CC BY-SA? Welche Konsequenzen ergeben sich aus dieser Engführung für bestimmte, disziplinäre Publikationskontexte? Das Konsortium verständigte sich in diesem Fall auf eine umfassende Weiterverwendungsmöglichkeit und damit auf CC BY sowie CC BY-SA, also “echte” Open-Access-Lizenzen.

Schließlich gab es auch unterschiedliche Sichtweisen auf den eigentlichen Zweck der jeweiligen Publikationsdienste, gleichwohl im Grundsatz allgemeines Einverständnis besteht: Anstatt kommerzielle Absichten zu verfolgen, sollten Publikationen im Sinne der Diamond-OA-Definition ausschließlich der wissenschaftlichen Kommunikation dienen. Gewinnerzielungsabsichten oder Finanzierungszwecke jenseits eines engen Verständnisses von wissenschaftlicher Kommunikation sind hierbei explizit ausgeschlossen.


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