Von Katja Wermbter
Im Rahmen der Online-Veranstaltungsreihe „This Is How We Do It: International Best Practices for Diamond Open Access“ stellte die OAPEN Foundation ihre Arbeit zur Unterstützung von Diamond Open Access vor. Unter dem Titel „OAPEN and DOAB: Supporting Diamond Open Access and building trust in a global ecosystem“ präsentierten Graham Stone und Jordy Findanis am 17. April 2026 zentrale Infrastrukturen und aktuelle Entwicklungen rund um offene wissenschaftliche Buchpublikationen. Sebastiano Sali, der den Vortrag mit vorbereitet hatte, konnte leider nicht persönlich dabei sein.
Jordy Findanis stellte zunächst die OAPEN-Stiftung sowie drei Informations- und Verlagsdienste vor, die von der Stiftung verwaltet werden und die alle speziell auf Open-Access-Bücher und Publizieren angelegt sind:
Die OAPENLibrary ermöglicht das Hosting und die Archivierung von inzwischen über 40.000 Open-Access-Büchern.
Das DOAB (Directory of Open Access Books) ist ein gemeinschaftlich mit OpenEdition betriebener Nachweis- und Discovery-Service und Metadatenplattform für Open-Access-Bücher. Mehr als über 107.000 Publikationen sind hier inzwischen gelistet (Stand: Juni 2026).
Das OAPEN OA Books Toolkit schließlich bietet vor allem praxisnahe Informationen und Hilfestellungen für Open-Access-Buchpublikationen.
Die Foundation versteht sich dabei als unabhängige, gemeinnützige Infrastruktur, die auf Transparenz, Vertrauen und den POSI-Prinzipien (Principles of Open Scholarly Infrastructure) basiert.
Die OAPEN-Stiftung ist eine unabhängige, gemeinnützige niederländische Stiftung, die bei der Nationalbibliothek in Den Haag registriert ist. Sie hat sich der Transparenz, dem Vertrauen und den Grundsätzen der Open Scholarly Infrastructure (POSI) verschrieben.
Graham Stone sprach anschließend über die geplanten Weiterentwicklungen in den nächsten Jahren. Aufbauend auf den europäischen Projekten DIAMAS und CRAFT-OA wurde das Folgeprojekt AEGIS-OA vorgestellt, das den European Diamond Capacity Hub (EDCH) weiter ausbauen wird. AEGIS-OA wird durch das EU-Forschungsprogramm Horizon Europe gefördert und ist mit einer zweijährigen Laufzeit am 01. März 2026 gestartet.
Ein Schwerpunkt von AEGIS-OA ist die Einbindung der National Capacity Centres (NCC), darunter SeDOA für die deutsche Fachgemeinschaft. Im Rahmen des Arbeitsprogramms des Projekts leitet OAPEN alle Projektaufgaben, die Bücher betreffen. OAPEN ist insbesondere an der Weiterentwicklung des Diamond Open Access Standard (DOAS) sowie der Zertifizierungsprozesse für Diamond Open Access beteiligt, mit dem Ziel, diese für das Buchverlagswesen besser anwendbar zu machen. Bis Februar 2027 wird das Projekt die Version 2.0 des DOAS veröffentlichen, die erstmals direkt auf den Buchverlag anwendbar sein wird. (Klicken Sie hier für den DOAS-Leitfaden für Zeitschriften).
In der anschließenden Diskussion wurde die Frage gestellt, warum die Sichtbarkeit von speziell Diamond Open Access gegenüber anderen Open-Access-Formen relevant sei. Graham Stone verwies auf hohe Book Processing Charges (BPCs) bei Open-Access-Büchern. Aus Sicht von Leser*innen spiele es zwar oft keine Rolle, ob eine Publikation als Open Access oder ausdrücklich als Diamond Open Access sichtbar gemacht werde; für Förderorganisationen, Bibliotheken und politische Entscheidungsträger sei die Unterscheidung jedoch äußerst relevant, insbesondere mit Blick auf Finanzierungsmodelle und Nachhaltigkeit. Zugleich betonten die Vortragenden, dass Diamond-Open-Access-Modelle international bereits erfolgreich etabliert seien – etwa in Lateinamerika und zunehmend auch in Afrika. Vor diesem Hintergrund verwiesen sie auf die Zusammenarbeit mit Initiativen wie ALMASI sowie auf aktuelle europäische Förderprojekte wie DIAMAS, CRAFT-OA und AEGIS.
Ein weiterer Schwerpunkt der Diskussion lag auf den Herausforderungen bei der Entwicklung gemeinsamer Standards für Diamond-Open-Access-Books. Graham Stone hob hervor, dass viele bestehende Kriterien aus dem Journalbereich grundsätzlich übertragbar seien, zugleich aber zentrale Unterschiede berücksichtigt werden müssten – etwa bei Metadaten, Governance-Strukturen oder redaktionellen Abläufen.
Einigkeit bestand darin, wie wertvoll der Austausch mit der Community und das gegenseitige Lernen über Ländergrenzen hinweg ist, um das Publizieren von Diamond-Open-Access-Büchern und speziell auch die Etablierung von buchbezogenen Standards zu fördern.
Kontakt zu den Referenten:
- Graham Stone (OAPEN Foundation, Head of International Projects): g.stone@oapen.org (https://orcid.org/0000-0002-5189-373X)
- Jordy Findanis (OAPEN Foundation, Project Manager): j.findanis@oapen.org (https://orcid.org/0009-0009-5290-075X)
- Sebastiano Sali (OAPEN Foundation, Community Manager): s.sali@oapen.org (https://orcid.org/0009-0004-8628-5859)
Veranstaltungsfolien: https://doi.org/10.5281/zenodo.19689213
Englische Version des Beitrags bei OAPEN/Hypotheses: https://oapen.hypotheses.org/2317
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