Am 05. März 2026 startete SeDOAs neue Online-Event-Reihe “This is how we do it: International Best Practices for Diamond Open Access”. Ziel dieses Formats ist es, Experten aus aller Welt zusammenzubringen, um sich mit den praktischen Herausforderungen und Erfahrungen von Diamond Open Access (OA) auseinanderzusetzen.
In jedem Event werden internationale Gäste berichten, wie sie Diamond OA an ihren Institutionen umsetzen und diese Initiativen erfolgreich in nationale Rahmenbedingungen integrieren. Ganz gleich, ob es darum geht, nach skalierbaren Lösungen zu suchen oder sich mit Kolleginnen und Kollegen über gemeinsame Herausforderungen auszutauschen – diese Veranstaltungsreihe bietet Gelegenheit für ein offenes Gespräch und umsetzbare Praxiseinblicke.
Alle an Diamond OA Interessierte sind herzlich eingeladen. Hier treffen sich wissenschaftliche Publizierende und Herausgebende, Akteure innerhalb des Diamond Open Access-Ökosystems, Vertreter*innen akademischer Verlage und institutioneller Repositorien sowie strategische Entscheidungsträger, die die Open-Access-Transformation vorantreiben.
Geplant sind mehrere Veranstaltungen im Jahr, bei denen internationale Pioniere im Bereich (Diamond) Open Access von ihren Erfahrungen berichten und Strategien für die institutionelle und nationale Integration vorstellen. Immer wird es auch interaktive Frage-Antwort-Runden mit der Community geben. Aktuelle Termine finden Sie auf der SeDOA-Website.
Den Auftakt machten am 05. März 2026 Christoph Hornung und David Krassnig von der Technischen Universität Wien aus Österreich. Unter dem Titel “This is how we do it: Diamond OA with Janeway at an Austrian University of Technology” stellten sie die bisherige Geschichte der Diamond-OA-Publikationsdienste an der TU Wien vor. Insgesamt 54 Gäste aus Deutschland, Österreich und weiteren europäischen Ländern waren dabei, als die Referenten das Publizieren von Diamond-OA-Journals mit Hilfe von Janeway eindrucksvoll präsentierten und erklärten.
Janeway ist eine Open-Source-basierte Publikationsplattform, entwickelt von der Open Library of Humanities (OLH), einem führenden Akteur im Diamond-OA-Bereich. Die Plattform ist modular aufgebaut und ermöglicht es Universitäten und Bibliotheken, eigene Diamond-OA-Zeitschriften, -Proceedings, -Preprints und auch -Bücher kosteneffizient zu hosten. Janeway basiert auf der Programmiersprache Python und nutzt das Django-Framework, um eine stabile und sichere technische Basis für das wissenschaftliche Publizieren zu bieten.
Zunächst verortete Christoph Hornung die Bestrebungen der TU Wien in der OA-Transformation in Österreich.
Der OA-Anteil des österreichischen Publikationsoutputs ist im Jahr 2025 mit ca. 64 % (laut österreichischem OA-Monitor) recht hoch, höher als vergleichsweise in Deutschland. Ein Grund liegt sicher darin, dass bereits groß angelegte, staatlich finanzierte Fonds und Projekte initiiert wurden, um die OA-Transformation in Österreich zu stärken. Das Expertennetzwerk OANA (2012 als Open Access Network Austria gegründet, seit 2018 Open Science Network Austria, heute OSA) formulierte bereits 2015 die „Empfehlungen für die Umsetzung von Open Access in Österreich“, für deren Umsetzung die vom damaligen Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Forschung (BMBWF) finanzierten Strukturmittelprojekte AT2OA (Austrian Transition to Open Access, 2017-2020) und AT2OA² (2021–2024) ins Leben gerufen wurden und die alle 21 öffentlichen Universitäten des Landes einbezog. In beiden Projekten wurde die Etablierung von transformativen Abkommen als zentrales Werkzeug zur Erhöhung des OA-Anteils eingesetzt. Während dieses Ziel erfolgreich umgesetzt wurde, fand kaum ein ebenfalls erhoffter Übergang von Transkriptions- zu OA-Modellen statt. Verschiedene Angebote wie der Austrian Datahub for Open Access Negotiations and Monitoring für ein österreichweites Open-Access-Monitoring wurden insbesondere in der zweiten Projektlaufzeit weiterentwickelt und für eine dauerhafte Nutzung auf den Weg gebracht. Auch das Communitybuilding wirkt nach.
So gibt es insgesamt ein starkes Commitment zu Open Access in Österreich, beispielsweise durch die Unterzeichnung des Plan S durch den größten nationalen Forschungsförderer FWF (Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung), der eine OA-Veröffentlichung für alle Ergebnisse aus den Projekten des Wissenschaftsfonds vorgibt. Diamond Open Access hat dabei jedoch noch nicht den Status, wie es das kommerzielle Publizieren in Open Access hat. Es gibt in dieser Hinsicht (noch) keine systematische Förderung für Infrastrukturen und editorisches oder technisches Personal. Auch eine mit SeDOA in Deutschland vergleichbare nationale Diamond-OA-Anlaufstelle im Kontext des European Diamond Capacity Hub (EDCH) gibt es derzeit (noch) nicht; die Aufgaben werden primär durch institutionelle Angebote realisiert. Im Moment finden aber dezidierte Vernetzungsbestrebungen der Community auf nationaler Ebene statt. Auch das Bundesministerium für Frauen, Wissenschaft und Forschung (BMFWF) das Thema in den Blick genommen und prüft die Einrichtung einer zentralen österreichischen Publikationsstelle. Auch die Entwicklung einer nationalen Rahmenpolicy ist ein aktuelles Ziel.
David Krassnig stellte im Anschluss als Fallbeispiel die Janeway Publishing Plattform anhand der Zeitschrift “Journal for Facility Management” und der Tagungsbandreihe “Proceedings of the Austrian Robotics Workshop” vor. In einem Hands-On demonstrierte David Krassnig den Funktionsumfang, die Gestaltungsmöglichkeiten für Journals und den Publikations-Workflow im Dashboard. Zusätzlich zeigte er, wie die TU Wien Bibliothek Janeway erweitert hat, um Tagungsbände mit Janeway gut darstellen und veröffentlichen zu können.
Im Anschluss an die Präsentationen hatten die Teilnehmenden Gelegenheit, Fragen im Chat zu stellen und miteinander ins Gespräch zu kommen.
Wie in der Diskussion deutlich wurde, ist Janeway ein exzellentes Tool, um Diamond-OA-Publikationen zu ermöglichen: Titel- und Reihenrechte verbleiben bei den Autor*innen bzw. Herausgeber*innen, insofern die TU Wien Bibliothek mit Janeway die Publikationsumgebung stellt. Der Publikationsprozess an sich, inklusive Review-Prozess, verbleibt aber in wissenschaftlicher Hand. Technisch kann Janeway die gängigsten Datei-Formate handeln (.doc oder .docx, meist LaTeX und PDF) und ist flexibel, um verschiedene persistente Identifier und Metadatenstandards einzubinden (z.B. auch ConfIDent für Konferenz-Proceedings). Verglichen mit anderen Software-Lösungen (z.B. OJS, OMP) steht Janeway diesen in Angebotsumfang und Entwicklung in nichts nach. Im Gegenteil hoben die Referenten hervor, dass sich Janeway durch seine moderne Programmierung hervortut und sich sowohl Funktionen als auch Plug-ins leicht erweitern lassen. Die Dashboard-Bedienung ist intuitiv und einfach zu aktualisieren. Dabei kommt der Basisbetrieb mit wenig Personal für Technik und Redaktion aus; wobei dies immer auch abhängig vom Publikationsaufkommen pro Standort ist.
Um sich mit Janeway vertraut zu machen und sich über die technischen Voraussetzungen für ein Hosting zu informieren, sind als Einstieg die Website sowie die ausführliche, community-getragene Janeway-Dokumentation zu empfehlen.
Kontakt zu den Referenten:
- Dr. phil. Christoph Hornung, TU Wien (Leitung Publikationsservices / Head of Publication Services) (https://orcid.org/0000-0001-8120-7633)
- Dr. phil. David Krassnig, TU Wien (Publikationsservices / Publication Services) (https://orcid.org/0000-0002-1626-7987)
Publikation der Veranstaltungsfolien: https://doi.org/10.5281/zenodo.19472637