Diamond Open Access institutionell unterstützen: Einblicke in die PRESSto-Plattform aus Poznań

Von Katja Wermbter

Wie eine Hochschule ihre Forschenden beim Publizieren ihrer wissenschaftlichen Zeitschriften im Diamond Open Access nachhaltig unterstützen kann, zeigte Agnieszka Wiktor-Sass von der Universitätsbibliothek der Adam-Mickiewicz-Universität (AMU) in Poznań in der SeDOA-Veranstaltungsreihe „This is how we do it“ am 15. Juni 2026.

Im Mittelpunkt stand PRESSto – eine seit 2015 auf dem Open Journal Systems (OJS) basierende Publikationsplattform. In der Anfangszeit wurden rund 20 Zeitschriften gehostet, heute gehört PRESSto zu den größten Publikationsplattformen für Diamond Open Acccess in Polen mit 98 gehosteten Zeitschriften. Davon sind 78 Zeitschriften aktiv, die verbleibenden werden archiviert. Fachlich deckt PRESSto ein breites Spektrum ab, darunter Geistes- und Sozialwissenschaften.

Ein wichtiger Entwicklungsschritt erfolgte 2022: Die Zusammenarbeit mit den Herausgebenden wurde persönlicher und direkter gestaltet, Standards und Qualität der betreuten Zeitschriften wurden stärker in den Blick genommen.

So bietet PRESSto heute ausdrücklich mehr an als ein technisches OJS-Hosting: Das betreuende vierköpfige Team an der Universitätsbibliothek berät die Redaktionen individuell. Es bietet technische Administration, unterstützt Herausgebende bei der Einrichtung neuer Journals, hilft bei der Indexierung, gibt Schulungen und berät zu Lizenzfragen, persistenten Identifiern und Altmetrics sowie zu Nachweissystemen wie SCOPUS, WoS, ERIH+ und DOAJ. Ein besonderer Stellenwert kommt zudem den ethischen Standards vom Committee on Publication Ethics (COPE) zu. Nach Angaben von Agnieszka Wiktor-Sass wurden bereits 129 Editorinnen und Editoren in 96 Stunden geschult.

Die Bedeutung der persönlichen Unterstützung war eine zentrale Erkenntnis der Veranstaltung. Beratung schafft Vertrauen und hilft den Herausgebenden und Redaktionsteams, zunehmend eigenständig zu arbeiten. Gleichzeitig bleibt die kontinuierliche Weiterentwicklung von System und Services eine wichtige Aufgabe.

In der gemeinsamen Diskussion wurden auch aktuelle Herausforderungen diskutiert, u.a. der Einsatz von KI in wissenschaftlichen Publikationen. Agnieszka Wiktor-Sass berichtete von Fällen, in denen Artikel aufgrund von halluzinierten Literaturangaben zurückgezogen werden mussten. Weiterentwicklungen wie XML-Publishing und Single-Source-Publishing stehen auf der Themenagenda von PRESSto, aber bislang gibt es keine spruchreifen Lösungen dafür.

Von besonderem Interesse war schließlich der Blick auf die Open-Access-Landschaft in Polen. Nach Einschätzung von Agnieszka Wiktor-Sass bieten viele polnische Hochschulen Diamond-Open-Access-Modelle an, gleichzeitig jedoch bleibt der wissenschaftliche Publikationsmarkt von wenigen internationalen Verlagen geprägt.

PRESSto zeigt, wie institutionelle Unterstützung für Diamond Open Access aussehen kann: Eine leistungsfähige Publikationsinfrastruktur wird mit einem personalstarken, erfahrenen Beratungs- und Supportteam verbunden, das die Redaktionsteams der Zeitschriften individuell begleitet und dabei unterstützt, ihre Publikationsprozesse zu professionalisieren und Qualität und Sichtbarkeit ihrer Zeitschriften zu erhöhen.

Wer sich PRESSto anschauen möchte, findet das Angebot hier: https://pressto.amu.edu.pl/

Die Präsentationsfolien sind auf Zenodo veröffentlicht: https://doi.org/10.5281/zenodo.21915892


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