Von Helene Strauß
Wie lässt sich ein wissenschaftliches Journal auf Diamond Open Access umstellen? Und worauf kommt es bei der Gründung eines neuen Diamond-OA-Journals an? Diese Fragen standen im Mittelpunkt der Online-Veranstaltung „Governance gestalten: Wie Journals den Diamond Open Access Standard umsetzen“, zu der die Servicestelle Diamond Open Access (SeDOA) am 20. August 2026 eingeladen hatte.
Die Veranstaltung richtete sich an Herausgebende, Redaktionsmitglieder, Bibliotheksmitarbeitende und alle, die sich mit Governance-Fragen im Diamond Open Access beschäftigen. Anhand eines bestehenden und eines neu gegründeten Journals wurde gezeigt, welche organisatorischen, finanziellen und rechtlichen Fragen dabei eine Rolle spielen.
Der Diamond Open Access Standard als Orientierung
Zum Einstieg gab Dr. Sona-Lisa Arasteh-Roodsary (OPERAS, Max Weber Stiftung) eine Einführung in den Diamond Open Access Standard (DOAS). Der im DIAMAS-Projekt entwickelte Standard bietet Orientierung für die Gestaltung von Diamond-OA-Journals und deren Publikationsprozesse.
Links zum Diamond Open Access Standard:
In der anschließenden Diskussion wurde auch deutlich, wo die Grenzen eines solchen Standards liegen. Der DOAS bietet zwar einen Rahmen für die Gestaltung für Publizieren im Diamond Open Access, kann aber beispielsweise keine Rechtsverhältnisse zwischen Editorial Boards und Publikationsdienstleistern (z. B. Repository-Betreibenden) regeln. Auch Fragen der Haftung lassen sich nicht allgemein durch den Standard beantworten. Hier sind die jeweiligen nationalen rechtlichen Rahmenbedingungen entscheidend.
Damit war zugleich eine zentrale Frage der Veranstaltung aufgeworfen: Wie lassen sich die im DOAS beschriebenen Grundsätze in der konkreten Arbeit eines Journals umsetzen?
Vom etablierten Journal zum Diamond Open Access: Das GJAE
Ein Beispiel dafür, wie die Transformation eines bestehenden Journals aussehen kann, ist das German Journal of Agricultural Economics (GJAE). Das Journal wurde 1952 gegründet und erscheint seit 2010 elektronisch. Seit 2024 wird es als Diamond-OA-Journal publiziert.
Prof. Dr. Silke Hüttel (Georg-August-Universität Göttingen) und Prof. Dr. Martin Banse (Thünen-Institut für Marktanalyse) berichteten von dem rund zweijährigen Transformationsprozess.
Den Anstoß gab eine Förderinitiative der OLEcon. Im Zuge der Umstellung übernahm die Fachgesellschaft GEWISOLA die Trägerschaft der Zeitschrift. OLEcon unterstützte das Team bei den Verhandlungen mit dem bisherigen Verlag.
Heute wird das GJAE von drei gleichrangigen Editor*innen geleitet. Sie werden von acht Associated Editors und zwei Editorial Managern unterstützt. Seit 2026 gibt es außerdem ein Scientific Advisory Board.
Klare Zuständigkeiten und frühzeitige Finanzierungsplanung
Welche Faktoren waren für die Transformation besonders wichtig? Die Referent*innen nannten vor allem:
- klare Verantwortlichkeiten innerhalb des Publikationsprozesses,
- die frühzeitige Klärung der Finanzierung,
- die rechtliche Verankerung des Journals bei der Fachgesellschaft,
- sowie Beratung und Unterstützung durch OLEcon und TIB Open Publishing.
Ein neues Journal gründen: Replication Research
Einen anderen Weg zeigt Replication Research. Das 2025 gegründete Journal widmet sich Replikationsstudien in den Sozialwissenschaften und ist von Beginn an als Diamond-OA-Journal angelegt.
Dr. Lukas Röseler vom Münster Center for Open Science initiierte das Journal gemeinsam mit Kolleg*innen. Ziel war es, Replikationsstudien mehr Sichtbarkeit und Reputation zu verschaffen. Derzeit machen Replikationsstudien weniger als ein Prozent aller Publikationen aus.
Von Anfang an wurde die wissenschaftliche Community in die Entwicklung des Journals einbezogen. Den Auftakt bildete ein hybrides Symposium. Auch beim Begutachtungsverfahren setzt das Journal auf Open Peer Review.
Für das Journal Management wird das Team durch eine studentische Hilfskraft unterstützt. Darüber hinaus können Autor*innen ihre Beiträge um Lay Summaries ergänzen, also um allgemeinverständliche Zusammenfassungen für ein breiteres Publikum. Zusätzlich gibt es eine HTML-Spiegelung der OJS-Instanz. Sie wurde KI-gestützt erstellt und ermöglicht alternative Visualisierungen und Metriken.
Die Startfinanzierung erfolgte über openaccess.nrw und das Topical Program der Universität Münster.
Welche Herausforderungen bringt eine Neugründung mit sich?
Eine Neugründung bietet die Möglichkeit, Strukturen und Prozesse von Beginn an auf Diamond Open Access auszurichten. Gleichzeitig entstehen dabei eigene Herausforderungen.
Als besonders anspruchsvoll nannte Dr. Röseler die Suche nach geeigneten Reviewer*innen, bestimmte Limitationen von OJS sowie das Copy Editing. Das Team nutzt dabei auch KI-Tools zur Unterstützung.
Zwei Wege, ein gemeinsames Ziel
Die beiden Journals zeigen unterschiedliche Wege zu Diamond Open Access: Das GJAE hat als etabliertes Journal einen rund zweijährigen Transformationsprozess durchlaufen. Replication Research wurde dagegen von Beginn an als Diamond-OA-Journal konzipiert.
Trotz der unterschiedlichen Ausgangssituationen zeigen beide Beispiele, wie wichtig eine klare Governance für die Organisation eines Diamond-OA-Journals ist. Zuständigkeiten müssen geklärt, Finanzierungsfragen frühzeitig berücksichtigt und rechtliche Rahmenbedingungen einbezogen werden. Gleichzeitig braucht es Strukturen, die zum jeweiligen Journal und zu seiner Fachcommunity passen.
Der Diamond Open Access Standard kann dabei eine wichtige Orientierung bieten. Die konkrete Umsetzung hängt jedoch von den jeweiligen Rahmenbedingungen eines Journals ab.
Präsentationen und weitere Veranstaltungen
Die Präsentationen der Veranstaltung „Governance gestalten: Wie Journals den Diamond Open Access Standard umsetzen“ sind auf Zenodo verfügbar:
Präsentationen der Veranstaltung auf Zenodo
Weitere Veranstaltungen zum Thema Diamond Open Access finden Sie in unserem Veranstaltungskalender.
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